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  • Ina Holz

Kommunikation auf Augenhöhe


Wir Menschen kommunizieren zum Großteil bewusst verbal. Weltweit werden ca. 6000 bis 6500 verschiedene Sprachen gesprochen. Diese Komplexität unserer Sprachen erfordert eine gewisse Intelligenz und auch körperliche Voraussetzungen. Daher weiß man, dass es die gesprochene Sprache beim Menschen erst seit ca. 150.000 Jahren gibt und sie sich erst unter den Homo Sapiens entwickelt haben muss. Wir Menschen kommunizieren in anderen Formen also schon deutlich länger, als es unsere Sprachfähigkeit vermuten lässt.

Das gesprochene oder gehörte Wort hat in unserer menschlichen Welt eine wahnsinnig hohe Bedeutung erlangt. Es gibt (fast) nichts auf der Welt, was wir nicht mit einem Wort benennen können. Dadurch, dass wir alles benennen und beschreiben können, sind wir für die Feinheiten der nonverbalen Kommunikation mit der Zeit allmählich abgestumpft. Denn unsere Stimme transportiert wesentlich mehr als nur Worte und auch unser Körper unterstützt nach wie vor unser Sprechen mit Haltung, Gestik und Mimik. Nur sind wir uns dessen leider oft nicht mehr bewusst.


Unsere Hunde, Meister der nonverbalen Kommunikation, können für diesen Bereich wunderbare Lehrmeister sein und uns somit ein Stück zurück zu ursprünglichen Fähigkeiten führen und uns vor allem in Sensibilität und Achtsamkeit im Miteinander unterrichten. Immer vorausgesetzt, dass wir ihnen auch zuhören und mit unseren Hunden auf Augenhöhe kommunizieren.


Was macht den Unterschied?


Ich beschreibe zunächst einen klassischen Fall. Um mit unserem Hund im Alltag zu kommunizieren, bringen wir ihm diverse Begrifflichkeiten bei. Diese Begriffe beziehen sich immer auf Handlungen und Verhaltensweisen des Hundes und sind wichtig für den Menschen, um seinen Hund im Alltag zu kontrollieren. Einfacher ausgedrückt: Wir trainieren mit unseren Hunden Kommandos wie „Sitz“, „Platz“, „Fuß“, „Komm“, „Aus“ und „Decke“ etc., damit der Hund uns besser versteht. Im klassischen Hundetraining spricht man hier von Verhalten abrufen und es schließlich unter Signalkontrolle bringen. Umso zuverlässiger sich das Verhalten des Hundes abrufen lässt und je schneller die Handlungen ausgeführt werden, desto stolzer ist der Hundehalter und so erfolgreicher das Training.


Wenn wir uns diesen Fall, den wir alle kennen und die meisten auch für völlig selbstverständlich betrachten, nun auf Kommunikationsebene anschauen, wird eine Sache ziemlich deutlich. Denn was ist Kommunikation? Zunächst einmal die bloße Verständigung, und ja, mittels klassischer Konditionierung können wir uns dem Hund verständlich machen. Aber wozu dient Kommunikation? Sie führt zum Austausch von Informationen im Miteinander. Ein Austausch findet aber immer in beide Richtungen statt - es gibt einen Sender und einen Empfänger und in einer Konversation wechseln sich Sender und Empfänger ab. Die Kommunikation über Kommandos hingegen ist ziemlich einseitig: Mensch sendet und Hund empfängt.



Ganz häufig fällt mir im Kontakt mit den Hundehaltern auf, dass sie Ihre Hunde um Längen unterschätzen, weil sie ihnen eine andere Art der Kommunikation oder gar einen richtigen Austausch nicht zutrauen. Auch haben sie oft Angst vor der Vermenschlichung des Hundes, wenn sie mit ihrem Hund in ganzen Sätzen sprechen. Ich bin der Meinung, dass du deinen Hund in der Kommunikation durch nichts mehr vermenschlichst, als mit dem Beibringen von Kommandos. Denn letztlich ist das Training von Kommandos nichts anderes als Vokabeln lernen. Und menschlicher als die Benennung konkreter Handlungen geht es schließlich kaum.



Eine funktionierende Kommunikation - die Basis jeder gesunden Beziehung


Es ist doch das, wovon wir alle träumen: Eine tiefe, vertrauensvolle Beziehung mit unseren Hunden und eine starke Bindung, die jede Leine ersetzt und Anerkennung, die jede Wurst verblassen lässt. Wir möchten wichtig sein für unseren Hund, nur wie schaffen wir das?

Die Antwort ist so klar wie einfach: Durch wirkliche Fürsorge und Zuneigung.

Indem wir uns auch um seine Sorgen kümmern, ihm zuhören und wahrnehmen, wenn der Hund sich an uns wendet. Wir dürfen nicht ausschließlich Erwartungen an unseren Hund stellen, sondern müssen ihm Raum geben und auch seine Meinung und seine Bedürfnisse in Entscheidungen einbeziehen. Nur so nehmen wir ihn ernst und schaffen ein ehrliches Miteinander.



Denn genau diese Punkte sind es, die einen guten Partner ausmachen. Unsere Hunde sind hochsoziale Wesen und nebenbei noch die einzigen Tiere, die eine artfremde Spezies als vollwertigen Sozialpartner betrachten können. Sie sind so extrem anpassungsfähig, dass sie sogar Vokabeln aus der verbalen Sprache erlernen können. Sie wollen, möchten und müssen mit uns kooperieren und sich austauschen, meist hakt es im Miteinander jedoch am Menschen und nicht beim Hund.


Wir Menschen vergessen oft, dass die Anerkennung und das Vertrauen unseres Hundes nicht in seinem Kaufpreis enthalten sind. Auch bedeutet jede Beziehung Arbeit, Rücksichtnahme und Fürsorge. All das können wir letztlich nur erreichen, wenn wir uns mit unserem Hund im konstanten Austausch befinden und eben auf wirklicher Augenhöhe kommunizieren.


Wie kommuniziert ihr mit euren Hunden? Benötigt Ihr im Alltag viele Kommandos oder redet Ihr doch in ganzen Sätzen? Wer von euch hat nicht schon mal den Satz: "Der Hund versteht jedes Wort." gehört? Schreibt es mir gerne in die Kommentare. Mehr zum Miteinander Mensch und Hund findet ihr auch auf meinem Instagram Kanal und im nächsten Artikel, wo ich euch ein paar Tipps für den Alltag verrate, wie ihr die Kommunikation zu eurem Hund verbessern könnt.


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